Die Digitalisierung durchdringt alle Ebenen der Gesellschaft, Wirtschaft, Wissenschaft und Politik: Sie beginnt bei technologischen Grundlagen wie dem Chipdesign, revolutioniert durch KI und Vernetzung die Industrieproduktion und fordert schließlich die Gesellschaft heraus, neue Leitbilder zu entwickeln. acatech begleitet diesen Wandel ganzheitlich. Projekte und Plattformen liefern Impulse, um Deutschland technologisch an der Spitze zu halten – etwa durch quelloffene Hardwareansätze oder Lernende Systeme. Gleichzeitig arbeitet die Akademie daran, die digitale Transformation mit einer positiven Vision für das Gemeinwohl zu verbinden und den Wandel souverän zu gestalten.
Plattform Lernende Systeme

Es herrscht eine nie dagewesene Dynamik im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI). Technologische Innovationen eröffnen neue Möglichkeiten und milliardenschwere Investitionen befördern den internationalen Wettbewerb. Gleichzeitig verändert KI unsere Arbeitswelt, gesellschaftliche Prozesse sowie unser Zusammenleben. Wie lässt sich Künstliche Intelligenz sicher, transparent und in fairem Wettbewerb gestalten? Wie kann KI sinnvoll, werteorientiert und menschengerecht in die Umsetzung gebracht werden? Die verantwortungsvolle Gestaltung von KI steht im Zentrum eines notwendigen offenen Diskurses zu gesellschaftlichen, rechtlichen, ethischen und sicherheitsbezogenen Fragen bei der Entwicklung und Anwendung von KI.
Die vom Bundesforschungsministerium initiierte und bei acatech angesiedelte Plattform Lernende Systeme (PLS) fördert seit 2017 den Dialog zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zum Thema KI. In thematisch spezialisierten Arbeitsgruppen erörtern ihre Mitglieder die Chancen, Herausforderungen und Rahmenbedingungen für die Entwicklung und den verantwortungsvollen Einsatz von KI. Aus den Ergebnissen leiten sie Szenarien, Empfehlungen, Gestaltungsoptionen oder Roadmaps ab.
Wir sollten eine führende Rolle in der Entwicklung und Anwendung von menschzentrierter und nachhaltiger KI einnehmen.
Marius Lindauer, Leiter des Instituts für Künstliche Intelligenz an der Leibniz Universität Hannover und Mitglied der PLS-Arbeitsgruppe
KI in Europa: Wie positionieren wir uns im globalen Wettbewerb?
Milliardenschwere Investitionspakte für KI-Infrastruktur in den USA und das überraschend leistungsstarke Sprachmodell Deepseek aus China befeuerten Anfang 2025 die KI-Dynamik nochmals. Noch nie haben auch die Medien so viel über KI berichtet. Deutschland und Europa stehen vor großen Herausforderungen. Wo bieten sich Chancen, im internationalen KI-Wettbewerb vorn mitzuspielen? Wo liegen die größten Potenziale in Forschung, Entwicklung und Anwendung – und wie lassen sie sich besser nutzen? Führende KI-Expertinnen und -Experten der Plattform Lernende Systeme (PLS) beziehen dazu Stellung auf der Themenseite Standpunkte zu KI in Europa.
„Wir sollten eine führende Rolle in der Entwicklung und Anwendung von menschzentrierter und nachhaltiger KI einnehmen. Durch die Kombination von exzellenter Forschung, einer starken Industrie und einem Fokus auf Ethik und Nachhaltigkeit kann Deutschland zu einem Vorreiter im Bereich KI werden“, sagt Marius Lindauer, Leiter des Instituts für Künstliche Intelligenz an der Leibniz Universität Hannover. Er engagiert sich in der Plattform-Arbeitsgruppe „Technologische Wegbereiter und Data Science“.
Welchen Einfluss hat KI auf Journalismus und Justiz?
Eine unabhängige, pluralistische und freie Presse gehört zu den Säulen unserer Demokratie. Das wird im Vorfeld der Bundestagswahl im Februar 2025 besonders deutlich. Künstliche Intelligenz stellt auch den Journalismus vor neue Herausforderungen. Diese und die Chancen von KI für Redaktionen waren Anfang 2025 Thema im Webspecial KI und die demokratische Gesellschaft der Plattform Lernende Systeme.
Mit vielen anschaulichen Beispielen zeigt die Plattform, wie Künstliche Intelligenz die Medienarbeit verändert. KI beschleunigt die Veränderungen des digitalen Wandels; Er bringt eine schnellere und direktere Nachrichtenverbreitung über das Internet und die sozialen Medien. Nun kommen immer mehr Medieninhalte hinzu, die mithilfe generativer KI erstellt wurden. Das stellt Journalistinnen und Journalisten vor neue Herausforderungen: Die Einhaltung journalistischer Sorgfaltspflicht wird wichtiger, aber auch schwieriger. Das Webspecial der Plattform zeigt Beispiele, wie Redaktionen KI-Tools einsetzen, beispielsweise um Deepfakes zu erkennen oder große Datenmengen zu sichten. Um diese Herausforderungen zu bewältigen, werden im ganzen Spektrum der journalistischen Tätigkeit bereits KI-Tools eingesetzt: in der Recherche, Produktion, Distribution.

Der Fotojournalismus steht vor besonderen Herausforderungen: Mithilfe Künstlicher Intelligenz kann jeder und jede Bilder generieren, die kaum noch von Fotografien unterschieden werden können. Bilder, die mit Werken von Fotografen trainiert worden sind. Auch Bildbearbeitungsprogramme verfügen über immer mehr KI-Tools. Die Grenze zwischen KI-Bildern und Fotografien weicht auf. Dabei hat ein journalistisches Foto den Anspruch, eine Realität abzubilden. Und ob den Urhebern der Datensätze, mit denen KI-Bildgeneratoren trainiert wurden, ein Vergütungsanspruch zusteht, ist noch Gegenstand gerichtlicher Auseinandersetzungen.

Neue Einsatzfelder für KI-Technologie entstehen auch im Rechtswesen. Jura-Studierende lernen und trainieren beispielsweise mittels Zeugen-Avataren in virtuellen Gerichtsverfahren. KI-Systeme können zudem Prozesse in der Justiz beschleunigen und die Bearbeitung von Akten und Fällen vereinfachen. Sie versprechen mehr Effizienz im Rechtswesen. Denkbar ist der Einsatz von KI zur Unterstützung für Privatpersonen, als Assistenz für Kanzleien oder als Unterstützung für Gerichte sowie zur (teil)autonomen Entscheidungsfindung.

Dabei sind die Anforderungen an KI-Systeme im Bereich des Rechtswesens und der Justiz besonders hoch. Im AI Act der EU werden sie als Hochrisikoanwendungen eingestuft. Das betrifft unter anderem die Bereiche Datenschutz, Vertraulichkeit und die Gefahr von Diskriminierung. Zudem ist der Einsatz von KI im Rechtswesen ohne die Akzeptanz der Bevölkerung nicht denkbar. Expertinnen und Experten der Plattform Lernende Systeme geben im Webspecial konkrete Empfehlungen an Politik und Wissenschaft, wie und in welchen Grenzen KI im Rechtswesen eingesetzt werden kann.
Fortschrittsbericht 2025
Im September 2025 legte die Plattform Lernende Systeme ihren neuen Fortschrittsbericht vor. Unter dem Titel „KI verantwortlich gestalten“ finden sich darin Interviews und Gastbeiträge von Expertinnen und Experten der Plattform. Sie beleuchten aktuelle Schwerpunkte der KI-Forschung und -Anwendung in Deutschland – etwa mit Blick auf die Herausforderungen in der Medizintechnik oder Entwicklungspotenziale im Bereich lernfähiger Robotiksysteme und erklärbarer KI.
Wir wollen vorne mitspielen bei der nächsten KI-Generation und die nötigen Kapazitäten verfügbar machen, im engen Schulterschluss von Bund und Ländern, Wissenschaft und Unternehmen. Ein zentraler Benchmark dazu lautet, bis 2030 zehn Prozent unserer Wirtschaftsleistung KI-basiert zu erarbeiten.
Dorothee Bär, Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt und Co-Vorsitzende der Plattform, im Grußwort des Fortschrittsberichts
Zudem erörtern sie, wie KI die Arbeitswelt und das Zusammenleben in einer demokratischen Gesellschaft verändert und welche Rahmenbedingungen es braucht, um internationale Wettbewerbsfähigkeit und langfristig technologische Souveränität zum Wohle der Gesellschaft sicherzustellen. „Als Schlüsseltechnologie ist KI zentral für die künftige Wettbewerbsfähigkeit – sowohl von Unternehmen als auch Standorten. Deutschland sollte daher seine Stärken nutzen und vor allem in domänenspezifische KI investieren, um so seine technologische Souveränität auszubauen“, sagt Claudia Eckert, Co-Vorsitzende der Plattform Lernende Systeme.
- Das Fachkräfteproblem und KI (Gastbeitrag von Christoph M. Schmidt)
- Aktuelle Trends in der KI-Forschung (Gastbeitrag von Volker Tresp)
- Der AI Act aus juristischer und aus unternehmensinterner Sicht (Interview mit Ruth Janal und Corina Apachiţe)
- Veränderungen der Gesellschaft durch KI (Interview mit Jessica Heesen)
- Die Revolution der Robotik durch KI (Interview mit Jürgen Beyerer)
- Methoden und Trends erklärbarer KI (XAI) (Gastbeitrag von Wojciech Samek)
Abgerundet wird der Bericht mit den zentralen Ergebnissen der Plattform-Arbeit in 2024/25. Der Fortschrittsbericht legte damit dar, wo die großen Herausforderungen im internationalen KI-Wettrennen liegen, wie Deutschland und Europa vorhandene Potenziale von KI verantwortlich nutzen und technologische Souveränität sicherstellen können.

Konferenz KI & WIR: Stärken nutzen, Vertrauen sichern, Souveränität bewahren
Am 30. September 2025 lud die Plattform Lernende Systeme zur Konferenz „KI & WIR“ nach Berlin. Rund 200 Gäste diskutierten im Humboldt Carré in Berlin über Fragen der KI-Entwicklung und die Rolle Deutschlands und Europas dabei. Mit Impulsvorträgen und Panel-Diskussionen sowie einem Ausstellungsrundgang wurde der fachübergreifende Austausch unter KI-Expertinnen und -Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft möglich gemacht.
Wohin entwickelt sich die Technologie, welche Anwendungsfelder entstehen? Wie können Deutschland und Europa dauerhaft im globalen Wettbewerb bestehen – und zugleich werteorientiert handeln? Wie bleiben wir technologisch souverän und wie verändert KI die Gesellschaft? Das waren Fragen der Konferenz. Im Mittelpunkt vieler Diskussionen stand auch die Attraktivität des KI-Forschungsstandorts Deutschland.
Mit einem technologischen Fokus auf den Aufbau vertrauenswürdiger, sicherer und ressourcenschonender KI-Ökosysteme für wichtige Wirtschaftsdomänen kann Deutschland nicht nur seine Stärken als Industriestandort ausspielen, sondern auch seine digitale Souveränität substanziell verbessern.
Claudia Eckert, acatech Präsidentin und Co-Vorsitzende der Plattform Lernende Systeme
Lucilla Sioli, Direktorin des EU AI Office, online zugeschaltet, skizzierte in ihrer Keynote den Weg Europas zum AI Continent. Sie betonte, dass Regulierung und Innovation nicht im Widerspruch stehen müssen, sondern sich auch ergänzen können. Der Vortrag setzte den Rahmen für die anschließende Diskussion zur praktischen Umsetzung des AI Acts in Deutschland.
Weitere zentrale Themen der Konferenz waren die Stärkung des KI-Ökosystems für Start-ups und Mittelständler sowie der Einfluss von KI auf Meinungsbildung, Machtverteilung und gesellschaftliche Teilhabe. Ein Augenmerk lag auch auf der Beziehung zwischen KI und der Kreativwirtschaft sowie den damit verbundenen Wechselwirkungen und Herausforderungen. Welche das sind, das skizzierte der Künstler Marc-Uwe Kling unterhaltsam.
Das High-Level-Gespräch über die Attraktivität des KI-Forschungsstandorts Deutschland wurde mit einem Filmbeitrag eröffnet, der drei ausgewählte KI-Forschungsprojekte und deren Projektleitungen porträtiert.
Wir müssen dafür sorgen, dass Produktentwicklung und Markterfolg auch für das Forscherleben mehr Relevanz gewinnen, als sie heute haben.
Rolf-Dieter Jungk, Staatssekretär im Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt, auf der Konferenz KI & WIR der Plattform Lernende Systeme
- „Servus, KI! Die Zukunft der Gesundheitsversorgung mit KI – Fluch oder Segen?“: Zu diesem Thema sprach Björn Eskofier, Professor an der LMU München und Mitglied der Plattform Lernende Systeme, am 20. Januar 2026 in Weiden-Neustadt im Rahmen der Bayern-Dialog-Reihe mit Bürgerinnen und Bürgern.
- Der Lenkungskreis der Plattform Lernende Systeme diskutiert auf seiner Sitzung im November 2025 mit den beiden Vorsitzenden Dorothee Bär (Bundesforschungsministerin) und Claudia Eckert (Präsidentin acatech) die Hightech Agenda sowie geeignete Maßnahmen zur Stärkung der technologischen Souveränität Deutschlands.
- „Servus, KI!: Mensch und Maschine – Voraussetzungen für eine verantwortungsvolle KI-Nutzung“, lautete das Thema der Dialogveranstaltung am 10. November 2025 in Memmingen. Elisabeth André, Professorin an der Universität Augsburg, Mitglied der Plattform Lernende Systeme und acatech, sprach über die Voraussetzungen für eine verantwortungsvolle KI-Nutzung.
- Paneldiskussion: Welche Veränderungen bringt KI für Betriebe und ihre Beschäftigten? Darüber diskutieren im Dezember 2025 Fachleute aus Industrie, Handwerk, Start-ups, Wirtschaftsförderungen, Wissenschaft, Verbänden, Gewerkschaften und Betriebsräten. Der Diskussionsabend in Osnabrück war eine Gemeinschaftsveranstaltung der VDI Technologiezentrum GmbH und der Plattform Lernende Systeme.
- Konferenz KI & WIR: KI verantwortlich gestalten: Am 30. September 2025 lud die Plattform Lernende Systeme zu einer Konferenz nach Berlin und brachte rund 200 KI-Expertinnen und -Experten aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft zusammen, um zentrale Fragestellungen zu beleuchten und zu diskutieren.
- Der Lenkungskreises der Plattform Lernende Systeme tagte im Juni 2025 im Bundesministerium für Raumfahrt, Forschung und Technologie (BMFTR) in Berlin und tauschte sich mit Staatssekretär Rolf-Dieter Jungk über die aktuelle Dynamik im KI-Bereich aus. Die Mitglieder betonten die Notwendigkeit, nun die richtigen Weichen bei Technologieentwicklung, Infrastruktur und Transfer zu stellen.
- DMEA 2025: Was bedeutet der AI Act für Medizinprodukte? Über Herausforderungen und Chancen der KI-Verordnung diskutierten Expertinnen und Experten der Plattform Lernende Systeme vor rund 160 Gästen auf der Messe für digitale Gesundheit DMEA im April 2025.
- „Wie erreichen wir eine menschengerechte KI in der Arbeitswelt?“, so lautete die Fragestellung einer Panel-Diskussion im April 2025 auf dem Campus der Universität Duisburg-Essen. Zum Diskussionsabend hatten die Universität, die VDI Technologiezentrum GmbH und die Plattform Lernende Systeme geladen.
- „Sichere KI made in Germany – Balanceakt zwischen Innovation und Regulierung“: Auf der Hannover Messe im April 2025 diskutierten Mitglieder der Plattform auf einem Panel zu diesem Thema.
- „Generative KI – Filmkunst ohne Grenzen und Rechte?“, diese Fragestellung stand im Mittelpunkt eines Diskussionsabends der Reihe „acatech am Dienstag“ in München im März 2025, an dem sich die Plattform beteiligte.
- Workshop KI: „Große Sprachmodelle, Medien und Regulierung – wo stehen wir?“ Im Februar 2025 diskutierten etwa vierzig Teilnehmende in einem virtuellen Expertenworkshop Fragen zu Urheberrecht, Transparenz und digitaler Souveränität. Die Plattform unterstützte die Veranstaltung der Landesmedienanstalt Saarland mit zwei Vorträgen.
Forschungsbeirat Industrie 4.0

Der Forschungsbeirat Industrie 4.0 entwickelt strategische Perspektiven für Industrie 4.0. Koordiniert durch das acatech Projektbüro bündelt das Gremium Kompetenz aus Wissenschaft und Industrie, identifiziert zukünftige Forschungs- und Entwicklungsbedarfe und gibt Impulse sowie Handlungsempfehlungen für die Weiterentwicklung und die langfristig erfolgreiche Implementierung von Industrie 4.0 ab. Ende 2025 brachten sich 33 Expertinnen und Experten in diese Arbeit ein. Nachhaltigkeit, Resilienz, Interoperabilität, technologische und strategische Souveränität sowie die zentrale Rolle des Menschen in der Industrie 4.0-Forschung spielten eine immer stärkere Rolle.
Die Koordination des Forschungsbeirats durch acatech erfolgt im Rahmen des vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) geförderten und vom Projektträger Karlsruhe (PTKA) betreuten Projekts „ReCoRD“.
Die internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie langfristig zu sichern – durch Innovation, Produktivitätssteigerung und nachhaltiges Wirtschaften – muss unsere gemeinsame Zielsetzung sein.
Matthias Weigold, Professor und Leiter des Instituts für PTW an der TU Darmstadt
Im Jahr 2025 stand die Weiterentwicklung der Forschungsperspektiven für Industrie 4.0 im Fokus. Nach der veröffentlichten Engineering-Roadmap arbeitet der Forschungsbeirat an weiteren thematischen Roadmaps zur Zukunft der Arbeit, zu Industrie 4.0-Geschäftsmodellen sowie zur Nachhaltigkeit. Diese Roadmaps strukturieren zentrale Forschungsfragen der kommenden fünf bis zehn Jahre und bilden den inhaltlichen Schwerpunkt eines Strategiepapiers, das neben einer Status-quo-Betrachtung ein Zielbild für Industrie 4.0 aufspannt sowie die Wirkungsweise bzw. Vision des Forschungsbeirats beschreibt. Die Veröffentlichung dieses Papiers ist für das zweite Quartal 2026 geplant.
Industrie 4.0 verlangt nach einem neuen Denken – eines, das nicht zwischen Technologie, Organisation und Mensch trennt, sondern diese Dimensionen integriert.
Uwe Wieland, Senior Director Software Product Development & AI-driven Solutions bei Volkswagen AG
Ein weiterer Schwerpunkt 2025 war die Verbindung von Industrie 4.0 und Kreislaufwirtschaft: Auf Grundlage einer öffentlichen Ausschreibung beauftragte der Forschungsbeirat eine wissenschaftliche Expertise über den Beitrag digitaler Industrie 4.0-Lösungen und -Technologien zu zirkulären Wertschöpfungssystemen. Dabei ging es auch um neue Geschäftsmodelle und notwendige Anpassungen in Produktions- und Wertschöpfungsprozessen. Ziel war es, aus den Ergebnissen konkrete Handlungsoptionen für Politik, Wirtschaft und Wissenschaft abzuleiten.
Der Forschungsbeirat bietet auch öffentliche Veranstaltungen und Dialogformate an, um aktuelle Forschungsthemen zu disseminieren. Ein Beispiel ist ein Webinar zur Expertise „Engineering autonom wandelbarer Industrie-4.0-Systeme“, das im März 2025 stattfand. Angesichts zunehmender Unsicherheiten – etwa durch Lieferengpässe oder ungeplante Produktionsausfälle – gewinnen anpassungsfähige und zunehmend autonome Produktionssysteme an Bedeutung. Fachleute aus Wissenschaft und Industrie diskutierten, welche Engineering-Methoden erforderlich sind, um solche Systeme künftig zu entwickeln und in der Praxis einzusetzen.
Auf der Hannover Messe 2025 griffen Mitglieder des Forschungsbeirats zentrale Zukunftsthemen der Industrie auf, insbesondere Datenräume als entscheidende Faktoren für Innovations- beziehungsweise Wettbewerbsfähigkeit sowie globale Zusammenarbeit.
Im Mai 2025 veröffentlichte der Forschungsbeirat das Impulspapier Industrie 4.0: Forschungs- und Entwicklungsperspektiven. Darin formuliert das Gremium eine Empfehlung für die Forschungsförderung im Kontext der vernetzten Wertschöpfung. Die Publikation zeigt zentrale Handlungsfelder und Prioritäten auf, um die langfristige Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschafts- und Produktionsstandorts Deutschland nachhaltig durch Industrie 4.0 zu sichern. Sie adressieren unter anderem eine nachhaltige Wertschöpfung, neue Engineering-Methoden für komplexe Systeme, die Weiterentwicklung industrieller Ökosysteme, die Zukunft der Arbeit in interdisziplinären Teams sowie eine gezielte Forschungsförderung für Industrie 4.0 mit Fokus auf die Praxis. Das Impulspapier basiert auf den Erkenntnissen, die auf einer Forschungsklausur Industrie 4.0 im Februar 2025 gewonnen werden konnten, zu der das Bundesforschungsministerium geladen hatte.
Im September 2025 veröffentlichten der Forschungsbeirat Industrie 4.0 und die Plattform Industrie 4.0 gemeinsam das Papier Industrie 4.0 – Zentrales Leitbild für eine wettbewerbsfähige und nachhaltige Industrie. Darin treffen die Forschungsperspektiven des Forschungsbeirats Industrie 4.0 auf die Umsetzung der digitalen Transformation durch die Plattform Industrie 4.0. Gezeigt wurde, wie eine enge Zusammenarbeit von Wissenschaft, Wirtschaft sowie Politik und Förderinitiativen Innovationen beschleunigt und über neue Geschäftsmodelle, Produktivitätssteigerungen und Sicherung von Arbeitsplätzen die Prosperität der Industrie nachhaltig gestärkt werden kann.

Ein weiterer Fokus liegt auf erfolgreichen datenbasierten Geschäftsmodellen. Mit dem Impulspapier Erfolgreiche digitale und datengetriebene Geschäftsmodelle für Industrie 4.0 mit Fokus auf dem Maschinen- und Anlagenbau präsentierte der Forschungsbeirat im November 2025 konkrete Praxisbeispiele aus der Industrie. Anhand von fünf Fallstudien analysiert das Papier, wie datenbasierte Angebote – etwa Predictive Maintenance, Remote-Operation-Support oder KI-gestützte Datenanalysen – erfolgreich monetarisiert und skaliert werden können. Ziel ist es, mehr solcher Geschäftsmodelle im industriellen Umfeld zu etablieren und damit die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Deutschland zu stärken.
Für Unternehmen ergeben sich durch die Nutzung oder Bereitstellung digitaler und datengetriebener Geschäftsmodelle Effizienzsteigerungen in Produktion, Logistik und unternehmerischen Prozessen sowie die Möglichkeit, neue Marktpotenziale zu erschließen.
Ursula Frank, Beckhoff Automation GmbH & Co. KG, zur Veröffentlichung der Publikation
Die Themen des Forschungsbeirats fließen in Dialogveranstaltungen von acatech ein: Bei einer Ausgabe von acatech am Dienstag im Juni 2025 diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Industrie und Wissenschaft über neue servicebasierte Geschäftsmodelle im Kontext von „XaaS“ – Everything as a Service“.
Quelloffene Designinstrumente für die Chipentwicklung

Kaum eine Branche kommt mehr ohne Mikroelektronik aus. Als Schlüsseltechnologie entscheidet diese gleichermaßen über Innovationsprozess und Markterfolg vieler Unternehmen. Europas Umsatzanteil in der Mikroelektronik betrug im Jahr 2020 acht Prozent, während die USA auf 46 Prozent und Südkorea auf 19 Prozent kamen. Hohe staatliche Förderungen in konkurrierenden Wirtschaftsräumen und eine in vielen Bereichen vernachlässigte Entwicklung eigenständiger Produkte durch hiesige Unternehmen haben Deutschland und Europa in eine ausgeprägte Abhängigkeit von außereuropäischen Anbietern gebracht.
Diese Abhängigkeit betrifft nicht nur die Fertigung moderner Chips. Sie beginnt schon vorher, bei den softwarebasierten Werkzeugen für deren Entwicklung. Denn gerade im Chipdesign-Prozess entstehen 53 Prozent der Wertschöpfung.
Den Markt für entsprechende Designtools dominieren heute wenige internationale Anbieter. Hohe Lizenzkosten und strenge Nutzungsbedingungen erschweren insbesondere kleinen und mittleren Unternehmen den Zugang zu diesen Werkzeugen. Damit sinken ihre Möglichkeiten, eigene Chips zu entwickeln, Innovationen voranzutreiben und sich im Wettbewerb zu differenzieren.
Quelloffene Tools im Chipdesign können ein Schlüssel für technologische Durchbrüche der Zukunft sein.
Robert Weigel, acatech Mitglied und einer der beiden Projektleiter des Impulses
Die acatech Projektgruppe aus Wirtschaft und Wissenschaft um Wolfgang Nebel und Robert Weigel setzt genau hier an. Sie untersucht, ob und wie der Einsatz quelloffener Designinstrumente den europäischen Markt digital souveräner, handlungs- und innovationsfähiger machen kann – und ihm perspektivisch im Chipdesign einen wachsenden Anteil am Wertschöpfungsprozess verschafft.
Der acatech Impuls Quelloffene Designinstrumente für souveräne Chipentwicklung zeigt: Besonders bei reiferen Technologieknoten für Spezialanwendungen können quelloffene Designtools ihre Stärken ausspielen. Das gilt etwa für Zukunftstechnologien wie Quantencomputing, photonisches Computing oder Advanced Packaging, da sie nicht in den feinsten Strukturen gefertigt werden müssen. Auch etablierte Branchen und die Verteidigungsindustrie könnten von souveränen Wertschöpfungsketten profitieren.
Potenzial besteht zudem in der Forschung. Quelloffene Designtools ermöglichen Studierenden und Forschenden einen frühen Zugang zum Chipdesign und erleichtern damit den Aufbau von Kompetenzen sowie mögliche Ausgründungen aus der Wissenschaft. Gleichzeitig benennt der Impuls bestehende Herausforderungen, etwa bei Schnittstellen, Funktionalitäten oder rechtlichen Fragen, die Unternehmen bislang zögern lassen.
Der Impuls zeigt auch aktuelle Grenzen auf: Das betrifft Einschränkungen bei Schnittstellen oder Funktionalitäten sowie juristische Bedenken, die Unternehmen noch zögerlich agieren lassen.
Quelloffene Designtools sind bereits heute eine Ergänzung zu proprietären Lösungen. Trotz noch bestehender Einschränkungen bei Schnittstellen oder Funktionalität können sie insbesondere für die Zukunft des Forschungsstandorts, aber auch für Start-ups sowie kleine und mittlere Unternehmen eine wichtige Rolle spielen.
Wolfgang Nebel, acatech Mitglied und Co-Projektleiter
Der Impuls entwickelt Handlungsoptionen, ein quelloffenes Designökosystem zu fördern: beispielsweise den Aufbau eines Anwenderforums, das Akteure aus Anwender- und Entwicklungscommunity miteinander vernetzt. Eine übergreifende Halbleiterstrategie könnte die Grundlagen legen, indem sie messbare Ziele und eine aktive Innovationspolitik vereint.
In einem Addendum zum Impuls Quelloffene Designinstrumente für souveräne Chipentwicklung hat die Projektgruppe Rückmeldungen zum acatech Impuls aus der Fach-Community aufgegriffen und vertiefend analysiert. Eingeflossen sind weitere externe Expertisen aus Fachgesprächen und zusätzliche Empfehlungen für den Auf- und Ausbau eines Open-Source-Ökosystems.
Das Addendum zeigt unter anderem, wie eine breitere Verfügbarkeit industrieller Designdaten das Testen und Weiterentwickeln quelloffener Tools unterstützen könnte. Zugleich widmet es sich den offenen juristischen Vorbehalten und erläutert Maßnahmen, wie sich Unternehmen im Einsatz proprietärer oder quelloffener Lösungen vor juristischen Prozessen schützen können.
Eine neue Gesellschaftsform für Open-Source-Chipdesign
Die Idee einer neuen Gesellschaftsform für Unternehmen mit gebundenem Vermögen, wie sie aktuell von der Bundesregierung forciert wird, unterstützt das Addendum. Open-Source-Geschäftsmodelle könnten davon profitieren, indem Gewinne gemäß dem Unternehmenszweck verwendet werden und dadurch eine langfristige Weiterentwicklung und Verfügbarkeit von Open-Source-Produkten gewährleistet werden kann.
Die EU-Verordnung über das Ökodesign nachhaltiger Produkte (ESPR) könnte ebenfalls eine offene und resiliente europäische Hardware- und Elektroniklandschaft fördern, wenn Standards oder rechtliche Vorgaben zur Offenlegung von Designdaten, Reparaturanleitungen oder Quellcodes verbindlich werden.
Nicht zuletzt liegt ein Schlüssel zum nachhaltigen Erfolg darin, junge Talente frühzeitig an das Thema Chipdesign heranzuführen und Akteure aus Wissenschaft und Wirtschaft miteinander zu vernetzen: Der durch das Netzwerk Chipdesign Germany (CDG) entwickelte Kompetenzatlas Chipdesign zielt als Recherchetool genau darauf ab – relevante Forschungsgruppen und Lehrschwerpunkte der Hochschulen auffindbar zu machen.
Mensch und Gesellschaft in der digitalen Transformation

Der digitale Wandel bildet eine prägende Konstante unserer Zeit. Er ist nicht nur tiefgreifend und rasant, sondern erfindet sich in Wellen immer wieder neu: vom Personal Computer, Internet und mobilen Netzwerken über vernetzte Industrieproduktion, Cloud-Dienstleistungen und digitale Plattformen bis zu Künstlicher Intelligenz. Die Digitalisierung verändert sämtliche Lebensbereiche – und mit den Quantentechnologien kündigen sich bereits die nächsten Entwicklungssprünge an.
Doch in der Fülle der Analysen zeigt sich ein strategisches Defizit: Der Diskurs konzentriert sich oft auf die negativen Aspekte der Transformation. Chancen und Risiken sind nicht immer klar voneinander zu trennen. Was fehlt, sind positive Impulse für den gesellschaftlichen Mehrwert. Wenn wir uns zu sehr auf Risiken fokussieren, verlieren wir das eigentliche Potenzial aus dem Blick: Wie können wir Technologie nutzen, um gesellschaftlichen Fortschritt zu erreichen?
Hier setzt das acatech Projekt Mensch und Gesellschaft in der Digitalen Transformation an. Es geht über bloße Appelle hinaus und formuliert eine umfassende, langfristige Perspektive, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt und auf wissenschaftlicher Evidenz fußt. Die Ergebnisse wurden im April 2026 als acatech Impuls veröffentlicht. In der Publikation wurden auch Unsicherheiten thematisiert. Beispielhaft wird aufgezeigt, wie liberale demokratische Werte und das gesellschaftliche Miteinander durch digitale Anwendungen gestärkt werden können. So bietet acatech eine langfristige, evidenzbasierte Gestaltungsperspektive.
- acatech IMPULS Mensch und Gesellschaft in der digitalen Transformation
- acatech IMPULS Quelloffene Designinstrumente für souveräne Chipentwicklung
- Artificial General Intelligence (AGI): Zwischen Versprechungen und Realität (KI Kompakt)
- Der Staat im digitalen Dialog – KI in der Interaktion zwischen Staat, Bürgerinnen und Bürgern sowie Unternehmen (Whitepaper)
- Erfolgreiche digitale und datengetriebene Geschäftsmodelle für Industrie 4.0 mit Fokus auf dem Maschinen- & Anlagenbau
- Impulspapier „Industrie 4.0: Forschungs- und Entwicklungsperspektiven“ des Forschungsbeirats – Wie die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie gefördert werden kann
- Industrie 4.0 – Zentrales Leitbild für eine wettbewerbsfähige und nachhaltige Industrie
- KI in der Robotik – Flexible und anpassbare Systeme durch interaktives Lernen (Whitepaper)
- KI in Unternehmen: Perspektiven auf den Kulturwandel (Impulspapier)
- KI verantwortlich gestalten: Fortschrittsbericht der Plattform Lernende Systeme (Fortschrittsbericht)
- KI-Verordnung: Ihre Auswirkungen für Medizinprodukte. Herausforderungen und offene Fragen (Impulspapier)
- Nachvollziehbare KI – Erklären, für wen, was und wofür (Whitepaper)
- Quelloffene Designinstrumente für souveräne Chipentwicklung (Addendum)
- Zukunft gestalten! Mit generativer KI. Gesellschaftliche Auswirkungen und Handlungsansätze (Broschüre)
- Fehlerhafte Menschen und Maschinenfehler
- Forschungsbeirat wählt Klaus Bauer zum neuen Sprecher der Industrie und Björn Sautter als Stellvertreter
- Forschungsbeirat vergibt Auftrag zu Industrie 4.0 für zirkuläre Wertschöpfung
- Impulspapier des Forschungsbeirats „Erfolgreiche digitale und datengetriebene Geschäftsmodelle für Industrie 4.0“ – Wie eine innovative Wertschöpfung den Maschinen- und Anlagenbau zukunftsfähig macht
- Impulspapier „Industrie 4.0: Forschungs- und Entwicklungsperspektiven“ des Forschungsbeirats – Wie die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie gefördert werden kann
- „Industrie 4.0 – Zentrales Leitbild für eine wettbewerbsfähige und nachhaltige Industrie“ vom Forschungsbeirat Industrie 4.0 und der Plattform Industrie 4.0
- Interview Lernende Systeme: Drei Fragen zur erfolgreichen KI-Einführung in Unternehmen
- Interview Lernende Systeme: Drei Fragen zu erklärbarer KI
- Interview Lernende Systeme: Drei Fragen zu KI-Kompetenz
- Interview Lernende Systeme: Drei Fragen zur Verwaltung der Zukunft: Wo KI hilft – und wo sie Grenzen hat
- Lernende Systeme: Philipp Herzig (SAP) verstärkt Lenkungskreis
- Lernende Systeme: Dorothee Bär und Claudia Eckert übernehmen Leitung der Plattform
- Video-Interview Lernende Systeme: Digitaler Staat – Nachgefragt zu KI
- Video-Interview Lernende Systeme: GenAI: Geht uns bald die Arbeit aus? – Nachgefragt zu KI
- Video-Interview Lernende Systeme: KI verändert die Arbeitswelt – Nachgefragt zu KI
- Video-Interview Lernende Systeme: Neue Impulse für die Arbeitswelt – Nachgefragt zu KI
- Video-Interview Lernende Systeme: Potenziale modularer Sprachmodelle – Nachgefragt zu KI
- Video-Interview Lernende Systeme: Potenziale von KI im Endgerät – Nachgefragt zu KI
- Video-Interview Lernende Systeme: Wie verändert Edge AI die Robotik? – Nachgefragt zu KI
- Webinar zur Expertise „Engineering autonom wandelbarer Industrie 4.0-Systeme“
- Wie flexibel müssen industrielle Geschäftsmodelle zukünftig werden?





