Eine sichere, bezahlbare und umweltverträgliche Versorgung mit Energie und Ressourcen bildet eine Grundvoraussetzung für den souveränen Wirtschaftsstandort Deutschland und Europa. Die Transformation zu einer klimaverträglichen Versorgung sowie die sich verändernde geopolitische Ausgangslage bringen Herausforderungen mit sich. Gleichzeitig besteht die Chance, das System mithilfe technischer, digitaler und gesellschaftlicher Innovationen zu erneuern. acatech hat 2025 zahlreiche Projekte, Initiativen und Dialoge der Transformation unseres Energiesystems, der sicheren Rohstoffversorgung und der zirkulären Kreislaufwirtschaft gewidmet und auch die Transformation des Gebäudesektors in den Blick genommen – denn sie spielt eine wichtige Rolle für eine klimaverträgliche Zukunft und lebenswerten Wohnraum.
Energiesysteme der Zukunft
Wissenschaftsbasierte und zukunftsrobuste politische Entscheidungen brauchen Brücken zwischen Energieforschung und Politik: ESYS – Energiesysteme der Zukunft, eine gemeinsame Initiative von acatech (Federführung), Leopoldina und Akademienunion, baut diese Brücken. Mehr als 150 Energiefachleute aus Wissenschaft und industrieller Forschung erarbeiten Handlungsoptionen für eine sichere, bezahlbare und nachhaltige Energieversorgung. Prägende Themen für das Jahr 2025 waren die Resilienz des Energiesystems, Wärmewende, internationale Veranstaltungen und – als besonderes Highlight – die Verstetigung der Initiative.
Verstetigung der Initiative ESYS – Energiesysteme der Zukunft
Im Jahr 2025 ist die Initiative Energiesysteme der Zukunft von einer Projektfinanzierung in eine unbefristete institutionelle Finanzierung übergegangen. Mit der Verstetigung unterstreicht das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt die Bedeutung von ESYS als zentraler Institution für die wissenschaftliche Politikberatung in Energiefragen. Die Verstetigung erlaubt es ESYS, diese Themen noch langfristiger als bisher zu verfolgen und zu bearbeiten.
Gemeinsam machen wir Tempo beim Thema Energie, ohne dass Wirtschaft und Gesellschaft dabei auf der Strecke bleiben.
Dorothee Bär, Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt

Sozial und ökologisch nachhaltige Wärmewende
Die Energiewende im Gebäudebereich stockt. Dabei ist sie entscheidend, um Deutschland bis 2045 klimaneutral zu machen: Im Gebäudebereich entstehen hierzulande rund vierzig Prozent der Treibhausgasemissionen. In einem Impuls und einer Analyse hat eine ESYS-Arbeitsgruppe daher Handlungsfelder identifiziert, die für die multi-dimensionale Wärmewende angegangen werden müssen. Ein besonders wichtiger Hebel ist die Sanierung von Gebäuden mit besonders schlechtem energetischem Standard, sogenannten Worst Performing Buildings.

Um zielgerichtete politische Maßnahmen entwickeln und evaluieren zu können, muss sich die Datenlage über Gebäude, die Bewohnenden und ihre Eigentümerinnen und Eigentümer verbessern. Auch die soziale Nachhaltigkeit muss eine Rolle in der Wärmewende spielen: Vulnerable Gruppen sollten geschützt werden, damit sie nicht in ein finanzielles Dilemma zwischen steigenden Wohnkosten und Sanierungskosten geraten.
Internationaler Austausch zu Energiefragen
Nur mit internationaler Zusammenarbeit gelingt Klimaschutz. Im Jahr 2025 legten daher zwei ESYS-Veranstaltungen ein besonderes Augenmerk auf den internationalen Austausch: Unter dem Titel „The Global Green Hydrogen Economy: Hurdles, Uncertainties and Pathways to a Sustainable Future“ und in Kooperation mit dem Weltenergierat Deutschland organisierte ESYS im März eine Veranstaltung im Rahmenprogramm des Berlin Energy Transition Dialogue. Internationale Gäste diskutierten die globale Wasserstoffwirtschaft. Ein besonderer Fokus lag auf der Deutsch-Kolumbianischen Wasserstoffpartnerschaft.
Zusammen mit dem Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE richtete ESYS zudem im Mai die „Freiburg Energy Talks 2025“ aus. Internationale Fachleute aus Wissenschaft, Wirtschaft und dem Finanzsektor diskutierten dort die aktuelle Lage der globalen Energiewende sowie Lösungsansätze in den Bereichen Resilienz, Wertschöpfung, Finanzierung und sozialen Fragen. Die wichtigsten Ergebnisse der Veranstaltung dokumentieren ESYS und das Fraunhofer ISE in der Publikation Trends and Challenges of the Global Energy Transition: Insights of the Freiburg Energy Talks 2025“.

Forschungs- und Innovationsroadmap Fusionsenergie (FIRE)

Die Fusionsenergie gilt als eine vielversprechende, langfristige Technologie zur klimafreundlichen Energiegewinnung. Trotz erheblicher Fortschritte in Wissenschaft und Technik stehen auf einem möglichen Weg zu einem kommerziellen Fusionskraftwerk noch zahlreiche physikalische, technische und organisatorische Herausforderungen aus. Mit dem im März 2025 gestarteten Projekt FIRE – Forschungs- und Innovationsroadmap Fusionsenergie entwickelt acatech für politische Entscheidungsträgerinnen und -träger einen wissenschaftlich fundierten und breit abgestimmten Orientierungsrahmen.

Die Roadmap zeichnet mögliche Wege zu einem ersten deutschen Fusionskraftwerk und schafft so eine Faktenbasis und ordnet physikalische, technische und organisatorische Anforderungen systematisch ein. Gleichzeitig trägt das FIRE-Projekt zur Versachlichung der Diskussion rund um die mögliche Rolle der Fusionsenergie in künftigen Energiesystemen bei und schafft wissenschaftsbasierte Grundlagen für nachvollziehbare Priorisierungen öffentlicher Mittel.
Die Roadmap formuliert technologische Pfade und für jeden dieser Pfade wichtige Entwicklungen. Gemeinsam mit Projektgruppen-Sitzungen, Experteninterviews, Literaturauswertung und Workshops dienen sie als Basis dafür, Handlungsoptionen und die Abfolge einzelner Entwicklungsschritte abzuleiten. Für zentrale Herausforderungen stellt das Projekt dar, an welchen Stellen Parallelisierungen möglich sind und wo ein sequenzielles Vorgehen erforderlich bleibt.
FIRE ist grundsätzlich technologieoffen und betrachtet die verschiedenen Fusionskonzepte gleichermaßen hinsichtlich ihres Entwicklungsstands, ihrer Potenziale und ihrer spezifischen Herausforderungen. Zugleich bezieht das Projekt internationale Roadmaps und strategische Programme ein, um globale Entwicklungen und notwendige internationale Kooperationen zu erfassen und nationale Gestaltungsspielräume einzuordnen.

Politische Entscheidungsträgerinnern und -träger erhalten entlang der aufgezeigten Pfade konkrete Handlungsoptionen. Ziel ist es, ihnen eine wissenschaftlich begründete strategische Orientierung zu schaffen und die gegenwärtige Dynamik der Fusionsforschung zu stärken, ohne kleinteilige Entscheidungen vorwegzunehmen.
Zu einem zentralen Element macht FIRE außerdem den engen Dialog mit relevanten Stakeholdern, um eine breite fachliche Akzeptanz der Roadmap sicherzustellen. Die Roadmap versteht sich als fortlaufendes Dokument statt als abgeschlossenes Ergebnis: Die FIRE-Expertengruppe nimmt die hohe Dynamik im Bereich der Fusionsenergie auf und entwickelt Meilensteine entsprechend weiter.
Bauen und Wohnen

In Deutschland mangelt es weiterhin an bezahlbarem Wohnraum. Aktuelle Studien (Stand Januar 2026) sprechen von 1,4 Millionen fehlenden Wohnungen. Besonders angespannt ist die Lage in Nordrhein-Westfalen und in Bayern. Zugleich lebten im Jahr 2024 mehr als 11,5 Prozent der Deutschen in einer überbelegten Wohnung – das heißt, der Haushalt verfügte über zu wenig Zimmer im Verhältnis zur Personenzahl. Parallel dazu ist der Gebäudesektor Teil der klima- und energiepolitischen Debatte. 40 Prozent der energie- und herstellungsbedingten CO2-Emissionen sowie der globalen Energienachfrage sind auf den Gebäudesektor zurückzuführen. Die Weiterentwicklung der gebauten Umwelt erfordert daher ein Umdenken, das sich den ökologischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen anpasst.
Vor diesem Hintergrund fördert das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) das Projekt Bauen und Wohnen: Plattform für Vernetzung, Synthese und Transfer. Die Projektgruppe entwickelt Lösungen für mehr bezahlbaren Wohnraum im Bestand im städtischen Raum und betrachtet dabei die Gebäudeebene ebenso wie die Quartiersebene. Durch Umnutzung, Aufstockung, Anbau und andere Formen der Nachverdichtung lassen sich vorhandene Strukturen weiterentwickeln und neue Potenziale erschließen. Das Projekt identifiziert Hürden für die Schaffung von mehr bezahlbarem Wohnraum im Bestand. Darauf aufbauend entwickeln rund 40 Expertinnen und Experten Lösungsoptionen, um diese Hindernisse zu überwinden, und arbeiten für ausgewählte Ansätze konkrete Umsetzungsstrategien aus. Neben der Bezahlbarkeit stehen dabei Aspekte der Nachhaltigkeit sowie der Wohn- und Lebensqualität im Fokus.
2025 fokussierte sich die Arbeitsgruppe „Baustoffe, Konstruktion und Energie“ auf drei Handlungsfelder: die „anerkannten Regeln der Technik“, serielles und modulares Bauen sowie die Förderung von Akzeptanz und dem Schaffen von Anreizen für Aufstockung, Anbau und Umnutzung. Die Expertinnen und Experten definierten vier zentrale Hebel, für die nun Lösungsoptionen formuliert werden:
- Flächenaktivierung im Bestand
- Kosteneinsparung und Effizienz
- Planungs- und Rechtssicherheit
- Bestanderhalt und Umbaukultur
Die Arbeitsgruppe „Stadt- und Quartiersentwicklung“ verfolgte 2025 einen quartierssensiblen Ansatz, für den vier Quartierstypen mit besonderem Potenzial für zusätzlichen Wohnraum im Bestand identifiziert wurden: dichtes gemischtes Quartier, Mischgebiete mit gewerblichen Flächen, suburbaner Raum (Einfamilien-/Reihenhaus) und Großwohnsiedlung der 1950er bis 2000er Jahre. Für diese Quartierstypen entwickelt das Projekt nun Lösungsoptionen zu fünf übergreifenden Systemzielen:
- Boden gemeinwohlorientiert aktivieren und sichern
- Interdisziplinäre Qualifizierung und Umsetzung der integrierten Planung
- Unterstützung neuer gemeinwohlorientierter Akteurskooperationen
- Hemmschwelle für (energetische) Sanierung und Umbau abbauen
- Potenziale für Klein- und Mittelstädte
Die Ergebnisse werden in Handlungsoptionen für Bund, Länder und Kommunen aufbereitet und sollen konkrete Orientierung für die Umsetzung in der Praxis bieten. Die Veröffentlichungen sind für das dritte Quartal 2026 geplant.
Für zukunftsfähiges Bauen und Wohnen: Digitale Landkarte zeigt Reallabore und Best Practices
Wie kann bezahlbarer, klima- und ressourcenschonender Wohnraum im städtischen Bestand geschaffen werden? Und wie lässt sich dabei lokales Erfahrungswissen aus innovativen Praxisprojekten für andere nutzbar machen? Antworten auf diese Fragen gibt das im Juni 2025 veröffentlichte digitale Reallabor-Mapping. Das Mapping macht vorhandenes Wissen besser zugänglich und skalierbar. Es visualisiert laufende und abgeschlossene Reallabore und Best Practices im Themenfeld Bauen und Wohnen. Jedes Projekt verfügt über eine eigene Profilseite mit detaillierten Angaben, etwa zu Finanzierungsquellen, Zielgrößen, Prozessgestaltung und Akteurskonstellationen. Neben der Kartenansicht bietet das Tool eine tabellarische Übersicht, eine Volltextsuche, eine Vergleichsfunktion für mehrere Projekte sowie die Möglichkeit zum Download von Profilen. Nutzende erhalten so einen Überblick über laufende und erprobte Lösungsansätze sowie Anregungen zur Umsetzung eigener Vorhaben. Das Reallabor-Mapping richtet sich an Fachleute aus Wissenschaft, Verwaltung auf allen politischen Ebenen, Wirtschaft sowie an zivilgesellschaftliche Unternehmen und Initiativen.

Beteiligungsformate: Expertenwissen und Bürgerperspektiven
Mit Gruppendelphis und Bürgerräten setzte das Projekt 2025 zwei Beteiligungsformate ein, um zusätzlich zu den Arbeitsgruppen Expertisen von weiteren Fachleuten und gesellschaftliche Perspektiven einzubeziehen. Die Ergebnisse tragen dazu bei, tragfähige und akzeptanzfähige Handlungsoptionen für mehr bezahlbaren und nachhaltigen Wohnraum zu entwickeln.
Als Weiterentwicklung des klassischen Delphi-Verfahrens verbindet das Gruppendelphi schriftliche Einschätzungen mit moderierten Workshops. Das erlaubt, neben Bewertungen auch inhaltliche Begründungen der Teilnehmenden zu erfassen und Konsens und Dissens sichtbar zu machen. Im Frühjahr 2025 fanden zwei Gruppendelphis statt: eines mit dem Stakeholder-Beirat der Plattform Bauen und Wohnen sowie eine mehrteilige Online-Fachkonsultation mit externen Fachleuten. Das Ziel: die von den Arbeitsgruppen definierten Hürden und erste entwickelte Lösungsansätze zu diskutieren und zu bewerten sowie zusätzliche Ansätze und Argumente einzubringen.
Das Ziel der Bürgerräte war, die gesellschaftliche Akzeptanz und Einordnung erster entwickelter Lösungsansätze zu prüfen. Anders als beim klassischen Bürgerrat, bei dem Bürgerinnen und Bürger Empfehlungen für die Politik zu einer kommunalen Entscheidungsfindung erarbeiten, ist dieses Format für Bauen und Wohnen als Bestandteil eines wissenschaftlichen Projekts angelegt. Die teilnehmenden Bürgerinnen und Bürger brachten in den Sitzungen in Berlin und im Ruhrgebiet ihre Perspektiven zu Fragestellungen des Projekts ein.
Bauen und Wohnen auf dem 18. Bundeskongress Nationale Stadtentwicklungspolitik in Rostock
Im September 2025 organisierte die Plattform Bauen und Wohnen auf dem 18. Bundeskongress Nationale Stadtentwicklungspolitik in Rostock das Fachforum „Bestand als Chance! Soziale und technologische Innovationen für mehr bezahlbaren und nachhaltigen Wohnraum im Quartier“. Rund 140 Teilnehmende diskutierten auf Grundlage der aktuellen Arbeitsgruppenergebnisse über Strategien zur Aktivierung des Gebäudebestands und zur Stärkung nachhaltiger Quartiersentwicklung.

- Die sozial-ökologische Energiewende im Gebäudebereich. Worst Performing Buildings, soziale Nachhaltigkeit und Datenbasis (Analyse)
- Ergebnisse der zwei Gruppendelphis im Projekt Bauen & Wohnen (Forschungsbericht)
- Ergebnisse der Bürgerräte im Projekt Bauen & Wohnen (Forschungsbericht)
- How Can the Energy Transition Be Achieved in the Buildings Sector? Action areas for a socio-ecological transformation (Discussion Paper)
- Trends and Challenges of the Global Energy Transition: Insights of the Freiburg Energy Talks 2025
- Wie gelingt die Energiewende im Gebäudebereich? Handlungsfelder für eine sozialverträgliche Transformation (Impuls)
- acatech entwirft eine Forschungs- und Innovationsroadmap Fusionsenergie für Deutschland
- Für zukunftsfähiges Bauen und Wohnen: Digitale Landkarte zeigt Reallabore und Best Practices
- Green Energy Transition: Progress through Focus on Opportunities and Solutions
- Wissenschaftliche Beratung zur Energiewende: Bundesregierung verstetigt Akademieninitiative ESYS