Wissensbasierte Diskurse und Entscheidungen über Technik unter Berücksichtigung unterschiedlicher Perspektiven – das ist das Ziel der Gesellschaftsberatung bei acatech. Mit dem TechnikRadar und vielfältigen Dialogformaten arbeitet acatech daran im Wechselspiel von Theorie und Praxis. Neue Formen der Technikkommunikation nutzen Bilder und Visionen, ermöglichen Gestaltung und Aneignung zur Wahrnehmung und Bewertung von Technik.

TechnikRadar 2025

Technikradar 2025 – Was die Deutschen über Technik denken

Differenzierte Offenheit: Die Deutschen und die Künstliche Intelligenz

Das Klischee der technikfeindlichen Deutschen hält der Realität nicht stand. Das bestätigt das TechnikRadar 2025, das Einstellungen zur digitalen Transformation und Künstlichen Intelligenz (KI) in den Fokus rückte. Die repräsentative Studie belegt: Die Bevölkerung blickt aufgeschlossen, aber differenziert auf neue Technologien.

Große Krisen wie die Corona-Pandemie, der russische Angriffskrieg oder politische Unsicherheiten ändern wenig an den grundsätzlichen Technikeinstellungen in Deutschland.

Mike Schäfer, Co-Leiter der Studie

Während KI in der medizinischen Diagnostik überwiegend begrüßt wird, halten sich bei autonomen KI-Agenten oder KI-gestützter Content-Produktion Chancen und Risiken im Meinungsbild die Waage. Klare Grenzen ziehen die Befragten bei autonomen Waffensystemen (57 Prozent Ablehnung) und fordern Transparenz: Neun von zehn Deutschen verlangen eine Kennzeichnungspflicht für KI-generierte Inhalte, da fast die Hälfte bereits eine Manipulation sozialer Medien durch Bots vermutet. Dennoch überwiegt bei zwei Dritteln der KI-Nutzenden die Faszination.

Interessant ist die Beständigkeit der Einstellungen. Mike Schäfer, Co-Leiter der Studie, bilanziert: „Große Krisen wie die Corona-Pandemie, der russische Angriffskrieg oder politische Unsicherheiten ändern wenig an den grundsätzlichen Technikeinstellungen in Deutschland. Selbst aktuelle Entwicklungen wie generative KI, Smart-Home-Technologien oder digitale Plattformen erschüttern diese Stabilität nicht.“

Vertrauen ist gut, Mitbestimmung ist gefordert

Die Akzeptanz von Technik ist an Bedingungen geknüpft: 62 Prozent unterstützen Innovationen nur, wenn sie dem Gemeinwohl dienen. Ein kritisches Signal an die Politik ist der Ruf nach Partizipation. 45 Prozent fordern mehr Mitbestimmung bei umstrittenen Technologien, während sich nur 9 Prozent von der Regierung ausreichend informiert fühlen.

Co-Leiter und acatech Präsidiumsmitglied Ortwin Renn sieht hier einen Auftrag für die Wissenschaftskommunikation: „Trotz aller Fake News […] spielt wissenschaftliche Expertise bei fast allen politischen Flügeln in der Bevölkerung eine unverzichtbare Rolle […]. Gleichzeitig wollen vor allem die Wählerinnen und Wähler von AfD und BSW mehr Mitbestimmung durch die betroffene Bevölkerung. Die Akademien und Wissenschaftsorganisationen insgesamt sollten als glaubwürdige Akteure stärker in Technikkommunikation investieren und sich dafür einsetzen, dass sachlich fundierte, faire und ethisch reflektierte Partizipationsformate entwickelt und eingesetzt werden.“

Fokus Verteidigung: Zivile und militärische Forschung

Erstmals fragte das TechnikRadar auch nach der Einstellung zur Verteidigungsforschung. Das Ergebnis ist ein geteiltes Bild mit pragmatischer Grundhaltung: Die Hälfte der Deutschen befürwortet militärisch nutzbare Forschung an Hochschulen, sofern sie der Landesverteidigung dient; nur 17 Prozent lehnen dies kategorisch ab. Synergien zwischen ziviler und militärischer Forschung (Dual Use) sehen 45 Prozent als Chance für gesellschaftliche Problemlösungen.

Wie bei anderen Fragen auch gruppierte das TechnikRadar 2025 die Befragten unter anderem nach ihrem Wahlverhalten bei der letzten Bundestagswahl. Während Wählerinnen und Wähler von FDP (68 Prozent), Union (67 Prozent), SPD und Grünen (über 50 Prozent) der Verteidigungsforschung an Hochschulen mehrheitlich zustimmten, war die Unterstützung bei Anhängerschaften der Linken, des BSW und der AfD (41 Prozent) deutlich geringer.

TechnikRadar setzt 2026 den Schwerpunkt Sicherheit

In diesem Jahr greift das TechnikRadar diese Nebenfragen auf und stellt das Thema Sicherheit, technologische Schutzkonzepte sowie die individuelle Resilienz der Bevölkerung in den Mittelpunkt der Umfrage.

Das TechnikRadar wird seit 2025 von der Carl-Zeiss-Stiftung gefördert. Die Datenerhebung 2025 erfolgte durch die Forsa Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analysen.

Dialogformate stärken den gesellschaftlichen Diskurs

Technologische Innovationen entfalten ihre Wirkung nicht im luftleeren Raum. Sie verändern Wirtschaft und Alltag – und werfen damit gesellschaftliche Fragen auf. acatech fördert deshalb den offenen Austausch über Chancen, Risiken und Gestaltungsoptionen neuer Technologien. Mit Dialogformaten, Kooperationen und Veranstaltungen bringt die Akademie Wissenschaft, Öffentlichkeit und Praxis miteinander ins Gespräch und schafft Räume für fundierte Diskussionen.

Der Dialog mit der Gesellschaft gehört damit zu den zentralen Aufgaben von acatech. Die Akademie nutzt dafür unterschiedliche Formate und arbeitet mit zahlreichen Partnerorganisationen zusammen, um technologische Entwicklungen verständlich einzuordnen und zur Diskussion zu stellen. Einen festen Platz im Akademieleben hat die Veranstaltungsreihe acatech am Dienstag. Die Veranstaltungen finden regelmäßig in München statt, werden aber auch in anderen bayerischen Städten sowie im digitalen Raum durchgeführt.

Großen Zuspruch erhielten auch 2025 die Präsenzveranstaltungen im acatech Forum am Karolinenplatz: Rund 60 Gäste diskutierten dort beispielsweise über Themen wie industrielle Biotechnologie oder klimaresilientes Wassermanagement. Die Reihe bietet damit einen offenen Rahmen, um aktuelle technologische Entwicklungen aus unterschiedlichen Perspektiven zu beleuchten und mit dem Publikum ins Gespräch zu kommen.

Oliver Minge, Martin Langer, Eva Wilke und Moderatorin Andrea Robitzki (v. l. n. r.) beim Podiumsgespräch | © acatech
acatech Präsidiumsmitglied Karen Pittel bei acatech am Dienstag | © acatech
Beim „TechTalk 28/4“ diskutieren die Gäste in „Murmelgruppen“. | © acatech
Die HYPERMEDIA-Ausstellung im acatech Forum: Unter anderem empfing ein „Schweinehund“ die Besucherinnen und Besucher. | © acatech
Gunnar Grün, Olaf von Löwis of Menar, Franz Xaver Peteranderl und Moderator Stefan Scheider (v. l. n. r.) in Holzkirchen | © Marc Conzelmann/M8 Media House
Auftakt des Forschungsdialogs von acatech und Fraunhofer-Gesellschaft: Diskussion mit Tobias Pukrop, Bernhard Polzer, Mareike Berger (Moderation) und Rupert Scheule (v. l. n. r.) in Regensburg zum Thema personalisierte Medizin | © Fraunhofer-Gesellschaft

Ein weiteres Dialogformat ist TechTalk 28/4, das acatech gemeinsam mit der Münchner Volkshochschule (MVHS) und der Mediengruppe Münchner Merkur, tz organisiert. Die Veranstaltungen fanden abwechselnd in den Räumlichkeiten der MVHS und im acatech Forum statt. Charakteristisch für die Veranstaltungsreihe sind sogenannte „Murmelgruppen“, in denen die Teilnehmenden zunächst in kleinen Gruppen diskutieren, bevor die Ergebnisse in die gemeinsame Diskussion einfließen.

Um unterschiedliche Zielgruppen zu erreichen, arbeitet acatech zudem mit etablierten Einrichtungen aus der lokalen Kultur- und Forschungslandschaft zusammen. Ein Highlight im Jahr 2025 war die Kooperation mit der Alten Pinakothek anlässlich der Sonderausstellung zu Rachel Ruysch „Nature into Art“. Hinzu kam ein Gemeinschaftsprojekt mit der LMU München: Im Rahmen des Kunstareal-Fests 2025 richtete acatech gemeinsam mit der Universität die Jahrgangsausstellung von Studierenden im Studiengang „Kunst und Multimedia“ aus.

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Mehr Informationen

Auch außerhalb Münchens sucht acatech gezielt den Austausch mit der Öffentlichkeit. Ein Beispiel dafür ist der AHA Forschungsdialog, den acatech gemeinsam mit der Fraunhofer-Gesellschaft organisiert. Das Format ist Teil der Initiative „AHA – The Science Communication Hub“, die vom Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst gefördert wird. Ziel der Initiative ist es, den Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft zu stärken und zugleich die Leistungsfähigkeit des Forschungsstandorts Bayern sichtbar zu machen. Im Jahr 2025 machte der Forschungsdialog Station in Regensburg, Nürnberg, Holzkirchen und Bayreuth.

Mit „Servus, KI! Der Bayern-Dialog zu Künstlicher Intelligenz“ startete am 10. November 2025 zudem ein neues Dialogformat mit einer Tour durch den Freistaat. Akademische Partner sind acatech, die Plattform Lernende Systeme (PLS) sowie das Bayerische Forschungsinstitut für Digitale Transformation (bidt).

In allgemein verständlichen Vorträgen und anschließenden Diskussionen erhielten Bürgerinnen und Bürger Einblicke in unterschiedliche Anwendungsfelder der Künstlichen Intelligenz und diskutierten Chancen, Herausforderungen und gesellschaftliche Fragen dieser Technologie. Themen reichten dabei von KI in der Gesundheitsversorgung, der Arbeitswelt, im Journalismus oder in der Landwirtschaft bis zu übergreifenden Fragen von Verantwortung, Ethik und Vertrauen im Umgang mit KI.

acatech HORIZONTE zur Kernfusion: Anschaulich und wissenschaftsbasiert

Die acatech HORIZONTE erklären zukunftsweisende Technikfelder mit gesellschaftlicher Relevanz – anschaulich, verständlich und wissenschaftsbasiert. Die Reihe richtet sich an ein breites technikinteressiertes Publikum und schafft Orientierung an der Schnittstelle von Technik, Politik und Gesellschaft. Als Teil der wissenschaftsbasierten Gesellschaftsberatung von acatech vermittelt die Reihe komplexe Themen in verständlicher Form. Leicht zugängliche Texte und prägnante Illustrationen bringen anspruchsvolle Forschung und Technologie nachvollziehbar auf den Punkt.

Im Jahr 2025 rückte die Reihe die Kernfusion in den Mittelpunkt – ein Thema, das Wissenschaft, Politik und Wirtschaft gleichermaßen beschäftigt.

Die aktuelle Ausgabe geht der Frage nach, warum die Kernfusion derzeit weltweit große Aufmerksamkeit erhält und welche Erwartungen sich mit ihr verbinden: Angesichts eines steigenden globalen Strombedarfs gilt Fusionsenergie vielen als potenziell klimafreundliche Energiequelle der Zukunft. Markante technologische Fortschritte machen die Fusion zu einer ebenso spannenden wie relevanten Zukunftstechnologie. Die HORIZONTE erläutern die physikalischen Grundlagen der Kernfusion und zeigen, unter welchen Bedingungen sie auf der Erde realisiert werden kann. Sie erklären, warum für Fusionsprozesse Temperaturen erforderlich sind, die deutlich über denen im Inneren der Sonne liegen.

@ acatech
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Darauf aufbauend blickt die Ausgabe nach vorn: Welche Fortschritte erzielt die Forschung bereits heute? Welche technischen und organisatorischen Hürden sind noch zu überwinden? Und welche Rolle könnte die Kernfusion langfristig in einem nachhaltigen Energiesystem spielen? Die HORIZONTE laden dazu ein, Chancen und Grenzen dieser Schlüsseltechnologie sowie offene Fragen differenziert zu betrachten.

So entstanden die HORIZONTE

Für die aktuelle Ausgabe recherchierte das HORIZONTE-Team intensiv und führt zahlreiche Gespräche mit Fachleuten aus Wissenschaft und Wirtschaft. Diese bringen ihr Wissen und unterschiedliche Perspektiven auf die Kernfusion ein. So sprach das Team mit der Wirtschaftswissenschaftlerin Karen Pittel (acatech Präsidium) über das Energiesystem der Zukunft und darüber, welche Rolle Fusion darin spielen könnte. Mit Tony Donné, dem ehemaligen Leiter des Forschungskonsortiums EUROfusion, ging es um internationale Forschungskooperationen wie den Testreaktor ITER. Armin Grunwald, Experte für Technikfolgenabschätzung, ordnete Chancen und Risiken der Zukunftstechnologie ein.

Eine Patengruppe aus führenden Köpfen der Fusionsforschung sowie Fachreferentinnen und Fachreferenten von acatech begleitete die Entwicklung der Ausgabe. In mehreren Sitzungen präzisierten sie den inhaltlichen Rahmen und strukturierten die Themen.

Für den Bereich der Magnetfusion brachte Sibylle Günter ihre Expertise ein, während Constantin Häfner die Perspektive der laserbasierten Trägheitsfusion ergänzte. Darüber hinaus tauschte sich das Team mit weiteren Projekten und Netzwerken der Akademie aus, um Wissen projekt- und disziplinübergreifend zu verknüpfen.

Wie nah sind wir der Energie der Sterne – und warum arbeiten Forschende weltweit an der Kernfusion? Die nächste Ausgabe der acatech HORIZONTE gibt darauf fundierte Antworten, sie wird im Sommer 2026 erscheinen.

Autumn School

Mit der Autumn School „Technik und Innovation kommunizieren“ fördert acatech den Austausch zwischen Technikwissenschaften, Kommunikationswissenschaft und institutioneller Praxis. Drei Tage lang kamen 2025 Nachwuchstalente aus diesen Bereichen in der acatech Geschäftsstelle in München zusammen, um neue Ansätze der Wissenschafts- und Technikkommunikation zu diskutieren und praktisch zu erproben. Marc-Denis Weitze (acatech) und Michael Wingens (Wissenschaft im Dialog) eröffneten die Veranstaltung und betonten die Bedeutung eines fundierten Dialogs zwischen Forschung und Öffentlichkeit.

Zum Auftakt stellte Martin Bimmer das TechnikRadar vor, das gesellschaftliche Einstellungen zu Technik jährlich untersucht. Die Ausgabe 2025 richtete den Fokus auf die digitale Transformation und Künstliche Intelligenz. Impulse aus der Kommunikations- und Sozialwissenschaft ergänzen diese Perspektive: Lars Günther (LMU München) sprach über vertrauenswürdige Kommunikation in digitalen Öffentlichkeiten, während Cordula Kropp (Universität Stuttgart) Technikdebatten aus soziologischer Sicht einordnete. Eine Exkursion in das IBM Innovation Studio, geführt von Joe McKay von IBM, eröffnete Einblicke in aktuelle Entwicklungen rund um Künstliche Intelligenz und Quantum Computing.

Eröffnung der Autumn School 2025 durch Marc-Denis Weitze (l.) und Michael Wingens (r.) | © acatech
Exkursion ins IBM Innovation Studio mit „Schulpause“ am Kicker | © acatech
Besuch im Deutschen Museum in München | © acatech

Weitere Perspektiven auf Wissenschaftskommunikation vermittelten Beiträge aus Journalismus, Politikberatung und institutioneller Kommunikation. Astrid Viciano (Wissenschaftspressekonferenz) thematisierte Qualitätskriterien im Wissenschaftsjournalismus. Christian Kobsda (Max-Planck-Gesellschaft) sprach über wissenschaftliche Politikberatung, Linda Treugut (Fraunhofer-Gesellschaft) über Kommunikationsstrategien in sozialen Medien. Ein Besuch im Deutschen Museum zeigte zudem anhand der Ausstellung „Landwirtschaft und Ernährung“, wie technische Themen museal vermittelt werden können. Am Abend diskutierten die Teilnehmenden diese Fragen im Rahmen der Veranstaltungsreihe „acatech am Dienstag“ mit einem breiteren Publikum.

Im abschließenden Workshop entwickelten die Teilnehmenden eigene Kommunikationsformate – von dialogorientierten Veranstaltungsformaten bis zu kurzen Social-Media-Videos. Die Autumn School verbindet damit wissenschaftliche Perspektiven mit praktischer Anwendung und stärkt Kompetenzen für eine dialogorientierte Vermittlung technologischer Innovationen. Die nächste Ausgabe der Autumn School ist für Herbst 2026 geplant.