Die Weltbevölkerung wächst, und mit ihr die Anforderungen an das globale Ernährungssystem, an eine krisenfeste Gesundheitsversorgung und wirksame Präventionsmaßnahmen zur Eindämmung chronischer Krankheiten. Technologische Innovationen aus Lebenswissenschaften und Gesundheit ermöglichen entsprechenden Fortschritt, um Gesundheit und Ernährung auf ein resilientes Fundament zu stellen. Die bessere Verfügbarkeit, Vernetzung und Nutzung von Daten schafft Synergien und erhöht die Effizienz und Flexibilität in allen Bereichen: Für Forschung, Prävention, Diagnostik und Versorgung, aber auch für Logistik, Bedarfsplanung und Produktion. Wie dabei mit sensiblen Gesundheitsdaten zu verfahren ist und welches Gewicht die gesellschaftliche Partizipation bei Entscheidungen zur Ernährung der Zukunft spielt, bezieht acatech in Projekten aus dem Bereich Lebenswissenschaften und Gesundheit eng in die Beratung ein.

Food Tech Made in Germany

Bild mit Midjourney generiert

Die wachsende Weltbevölkerung treibt den Bedarf an erschwinglichen Lebensmitteln. Gleichzeitig setzen knapper werdende Flächen für die Landwirtschaft und Auswirkungen des Klimawandels das globale Ernährungssystem unter Druck. Geopolitische Krisen und Pandemien führen vor Augen, wie verletzlich die Ernährungssysteme sind und wie schnell die Versorgungssicherheit aus dem Gleichgewicht gerät. acatech hat sich mit den strategischen Handlungsbedarfen auseinandergesetzt. Die Lösungspotenziale technologischer Innovationen im Streben nach einem souveränen, resilienten und nachhaltigen Ernährungssystem fasst der im Dezember 2025 veröffentlichte Impuls „Food Tech Made in Germany“ zusammen.

Die Weltgemeinschaft braucht neue Ansätze, um auch langfristig eine ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltige Ernährung zu sichern. Deutschland kann dabei eine aktive Rolle übernehmen, wenn Food Tech Made in Germany den nötigen gesellschaftlichen und politischen Rückhalt bekommt.

Claudia Eckert, acatech Präsidentin

In einem transdisziplinären Ansatz können technologische Innovationen ihre Potenziale entlang der gesamten Produktions- und Lieferkette entfalten: Das beginnt etwa bei dem reduzierten Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden durch Präzisionslandwirtschaft, widerstandsfähige Pflanzenzüchtungen und reicht bis zu neuen biotechnologischen Verfahren, die Lebensmittel und alternative Proteinquellen emissionsarm und effizient herstellbar machen. KI-Prognosen in der Logistik beugen der Lebensmittel-verschwendung vor und zirkuläres Design reduziert Abfallströme.

Es geht um unsere Resilienz und Souveränität in diesem kritischen Versorgungsbereich, um die Basis für Gesundheit und Wohlergehen unserer Bevölkerung und für die Sicherheit unseres Staatswesens.

Andrea Büttner, acatech Mitglied und Co-Herausgeberin

Was aber braucht es, um diesen ganzheitlichen Ansatz in die Umsetzung zu bringen? Die Voraussetzungen sind gut. So verfügt der Standort Deutschland über tiefgehendes Know-how: Agrar-, Bio- und Lebensmittelwissenschaften sowie Material- und Ingenieurwissenschaften sind hier zu nennen. Auch in Robotik, Anlagen- und Maschinenbau kann Deutschland auf bestehende Stärken aus der Industrie bauen. Unter anderem sind es aber regulatorische Hemmnisse, die den Transfer von Forschungsergebnissen in den Markt erschweren können. Innovationsstarke Unternehmen, Start-ups und Talente finden in ausländischen Ökosystemen – vornehmlich in den USA, Asien und Israel – oftmals die Freiheiten und Experimentierräume, denen hierzulande eine ausgeprägte Bürokratie entgegensteht.

Wir brauchen einen politischen und gesellschaftlichen Dialog, um hierzulande Vorsorgeprinzip, Verbraucherschutz und Innovationsoffenheit ins Gleichgewicht zu bringen.

Thomas Becker, acatech Mitglied und Co-Herausgeber

Zentrale Empfehlungen der Arbeitsgruppe sind das enge Zusammenspiel der wissenschaftlichen Organisationen mit der Wirtschaft – insbesondere Mittelstand und Start-ups – und eine Stärkung von Forschung und Entwicklung. Hier kann eine langfristig angelegte Initiative oder Institution helfen, die Bedarfe zu identifizieren. Nicht zuletzt entsprechende politische Rahmenbedingungen und die breite gesellschaftliche Akzeptanz sind es, die Food-Tech-Innovationen etablieren und so den Weg zu einem resilienten souveränen Ernährungssystem ebnen können.

Datengetriebene Demenzprävention

Demenzen betrafen im Jahr 2023 rund 1,8 Millionen Menschen in Deutschland. Für Betroffene und Angehörige bedeutet das schwere Belastungen, die sich auch im Gesundheitssystem in steigenden Kosten niederschlagen. Prävention lässt darauf hoffen, die Zahl der Erkrankungen künftig deutlich zu reduzieren. acatech untersuchte 2025 gemeinsam mit der Akademienunion und Leopoldina einen datengetriebenen Ansatz, der eine individuelle Risikobewertung ermöglicht. In der 2026 veröffentlichten Stellungnahme setzt die Arbeitsgruppe auf ein Zusammenspiel aus Verhaltens- und Verhältnisprävention. Damit wäre es möglich, 14 der am besten erforschten Risikofaktoren zu bekämpfen.

Demenzen sind keine zwangsläufige Alterserscheinung und auch nur zu einem geringen Anteil erblich – wir könnten somit das Auftreten einer Demenz beeinflussen.

Svenja Caspers, Leiterin der Akademien-Arbeitsgruppe

Durch die Eliminierung oder Minderung der Risikofaktoren Hörverlust, hoher LDL-Cholesterinspiegel, Depression, Schädel-Hirn-Traumata, Bewegungsmangel, Diabetes, Rauchen, Bluthochdruck, Übergewicht, Alkoholmissbrauch, soziale Isolation, Luftverschmutzung und Sehverlust könnten theoretisch 45 Prozent der Demenzerkrankungen vermieden werden. „Demenzen sind keine zwangsläufige Alterserscheinung und auch nur zu einem geringen Anteil erblich – wir könnten somit das Auftreten einer Demenz beeinflussen“, erklärte die Leiterin der Akademien-Arbeitsgruppe, Svenja Caspers (Universitätsklinikum Düsseldorf und Forschungszentrum Jülich), anlässlich der Veröffentlichung der gemeinsamen Stellungnahme am 27. März 2026.

In sechs Handlungsansätzen entwarf die Arbeitsgruppe eine Roadmap zu einer Gesamtpräventionsstrategie. Danach sollte die Nationale Demenzstrategie als Dekade für Gehirngesundheit nach 2026 fortgeschrieben und weiterentwickelt werden. In einem nationalen Datenökosystem könnten zudem relevante Daten für Prävention und Forschung zusammengeführt und genutzt werden. Die intensivierte Forschung der molekularen und zellulären Grundlagen der Demenzerkrankungen ist ein wichtiger Bestandteil, denn bisher sind noch viele Bereiche unerforscht. Eine wichtige Rolle spielen dabei neben dem Datenzugang auch die Kompatibilität und Auffindbarkeit über eine einheitliche Identifikationsnummer.

80 Prozent der Menschen halten Demenzen noch immer für eine Alterserscheinung. Diesem Irrtum gilt es mit einer verstärkten Wissenschaftskommunikation und einem transparenten Dialog mit Bürgerinnen und Bürgern entgegenzuwirken. Ein individualisiertes Risikoscreening könnte über die Erfassung digitaler Biomarker – etwa über eine leicht zugängliche App – zu individualisierten Präventionsmaßnahmen führen.

„Die Wissenschaftsakademien werden zu einer gemeinsamen Bürgerdialogreihe einladen, bei der wir uns über Gesundheitsdaten und Prävention auszutauschen können. Alle Fragen sind erlaubt, denn nur wer etwas weiß und keine überflüssige Angst hat, kann gesünder leben“, sagte Christoph Markschies, Präsident der Akademienunion, zur Veröffentlichung der Stellungnahme. Nicht zuletzt kann eine begleitende Verhältnisprävention die Rahmenbedingungen für eine gesündere Lebensweise und verminderte Risikofaktoren schaffen. Von der datengetriebenen Demenzprävention könnte zudem Synergieeffekte auf Präventionskampagnen zu Volkskrankheiten wie Adipositas, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs oder Diabetes einzahlen.

„Gesundheitsdaten ermöglichen eine vorausschauende und auf jedes Individuum zugeschnittene Prävention und Behandlung von Demenzen und anderen Volkskrankheiten. So werden wir – als Individuen und als Gesellschaft – handlungsfähiger. Zugleich stärken wir den Forschungs- und Innovationsstandort Deutschland, indem wir bei datengestützter Prävention voranschreiten“, erklärte acatech Präsidentin Claudia Eckert zur Stellungnahme.