Mobilität ermöglicht gesellschaftliche Teilhabe und wirtschaftlichen Wohlstand – doch ihre Grundlagen wandeln sich radikal. Getrieben von Klimaschutz, demografischem Wandel und neuen Lebensentwürfen entstehen Anforderungen. Technologien wie das automatisierte Fahren, die digitale Vernetzung oder alternative Antriebe bieten neue Antworten. Ökologisch, ökonomisch und gesellschaftlich nachhaltige Mobilität entsteht dort, wo Mobilitätsinnovationen resilient, nachhaltig und konsequent an den Bedürfnissen der Menschen ausgerichtet in den Alltag finden.

Mobilitätsmonitor 2025

Der acatech Mobilitätsmonitor, erhoben vom Institut für Demoskopie Allensbach, zeichnete für das Jahr 2025 ein klares Bild: Die Bevölkerung sieht die Verkehrsinfrastruktur an einer Belastungsgrenze. Besonders drastisch fällt das Urteil über die Schiene aus – 71 Prozent der Bürgerinnen und Bürger bewerten 2025 das Netz als mangelhaft. Doch die Kritik beschränkt sich nicht auf Gleise und Straßen; auch bei der digitalen Infrastruktur und in der Verwaltung sehen Mehrheiten dringenden Handlungsbedarf. 

Bürger fordern Investitionen und Entbürokratisierung 

Die Unzufriedenheit mündet in einer klaren Erwartungshaltung an die Politik: Der Handlungsdruck, Infrastrukturen zukunftsfähig zu erneuern, wurde von den Befragten als so hoch empfunden, dass finanzpolitische Dogmen wanken. Laut Mobilitätsmonitor wären 65 Prozent der Deutschen bereit, für die Modernisierung höhere Staatsschulden in Kauf zu nehmen. 

Geld allein reicht jedoch nicht: Drei Viertel der Befragten identifizierten Bürokratieabbau und beschleunigte Genehmigungsverfahren als entscheidende Hebel, um PS auf die Straße zu bringen. Die Botschaft ist eindeutig: Die Bevölkerung wünscht sich einen leistungsfähigen Staat, der Investitionen effizient in sichtbare Verbesserungen umsetzt. 

Trendwende bei der Elektromobilität 

Ein Lichtblick zeigt sich bei der Antriebswende. Nachdem das Kaufinteresse 2024 einen Tiefpunkt erreicht hatte, ist die Kurve 2025 wieder gestiegen: 23 Prozent ziehen nun ein E-Auto in Betracht (Vorjahr: 17 Prozent). Vorbehalte bezüglich Reichweite und Kosten gehen langsam zurück, auch dank eines wachsenden Modellangebots. 

Die Trendwende zur Elektromobilität ermutigt, reicht aber nicht aus und muss verstetigt werden. Damit sich Elektromobilität als attraktive Lösung für den Alltag durchsetzt, müssen Wirtschaft, Wissenschaft und Politik klare Botschaften senden, zukunftsfähige Angebote entwickeln und verlässliche Rahmenbedingungen schaffen.

Thomas Weber, acatech Präsident (bis 31. März 2026)

Klimaschutz durch Innovation statt Verzicht

Interessant ist die Verschiebung in der Wahrnehmung des Klimawandels. Zwar sank der Anteil derer, die sich persönlich bedroht fühlen, auf 36 Prozent, doch das Vertrauen in technische Lösungen bleibt hoch. Eine große Mehrheit ist überzeugt, dass Innovationen – etwa bei der Verkehrssteuerung oder der Vernetzung von Verkehrsträgern – den Sektor spürbar voranbringen können. Die Bürgerinnen und Bürger setzen somit weniger auf Verzichtsappelle, sondern auf technologischen Fortschritt zur Sicherung von Mobilität und Lebensqualität. 

ReMIX: Mobilität verantwortungsvoll gestalten 

Bild mit Canva Leonardo.AI generiert

Mobilität zu gestalten, fordert mehr als die Einführung neuer technischer Möglichkeiten: Verdichtete Ballungsräume und wachsende Regulierung verschärfen gesellschaftliche Zielkonflikte. Deshalb müssen neue Mobilitätskonzepte nicht nur technische Verbesserungen, sondern von Beginn an auch ihre soziale Integrationskraft und ethische Verträglichkeit berücksichtigen. Hier setzt das Projekt ReMIX Responsible Mobility Innovation and Experimentation an. 

ReMIX agiert als zentrales Integrationsprojekt innerhalb des vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) geförderten Zukunftsclusters MCube Münchner Cluster für die Zukunft der Mobilität in Metropolregionen. In dieser Funktion bildet das Vorhaben das methodische Fundament und den reflexiven Rahmen für die zahlreichen Innovationsprojekte des Clusters. acatech begleitet ReMIX seit dem Projektstart im November 2024 als strategische Partnerin. Ziel der bis Oktober 2027 angelegten Initiative ist es, Mobilitätsinnovationen nach den Prinzipien der Responsible Research and Innovation (RRI) so zu gestalten, dass sie ökologische Nachhaltigkeit, soziale Gerechtigkeit und wirtschaftliche Skalierbarkeit verbinden. 

Wissenstransfer und operative Mobility Data Governance 

Im Jahr 2025 legte die Projektarbeit einen Schwerpunkt darauf, Umsetzungshürden durch transdisziplinären Austausch zu überwinden. In der „Community of Practice: Städtische Daten für nachhaltige Mobilitätsinnovation“ – einer gemeinsamen Initiative mit dem TUM Think Tank – vernetzt acatech Wissenschaft und kommunale Praxis.  

In mehrmonatigen Formaten tauschten sich Forschende der Technischen Universität München (TUM) mit kommunalen Entscheidungsträgerinnen und -trägern über die Herausforderungen der Mobility Data Governance aus. Dabei zeigte sich, dass es nicht an Mobilitätsdaten mangelt, sondern an deren rechtssicherer Verwertbarkeit und die Anschlussfähigkeit an bestehende Prozesse und Infrastrukturen. Die entstandene Gemeinschaft bewies, wie wichtig die Zusammenarbeit über Fach- und Zuständigkeitsgrenzen hinweg ist – und wie bereichernd der direkte Austausch zwischen Kommunen und universitärer Expertise sein kann. 

Parallel dazu bietet der clusterinterne ReMIX Dialog eine Plattform, um politische Leitbilder sowie rechtliche und strategische Rahmenbedingungen des Innovationstransfers zu erörtern. Ein Kernanliegen ist es, Innovationen dauerhaft zu verankern: Man entwickelt Ideen, um erfolgreiche Ansätze aus der geschützten Umgebung von Mobilitätsexperimenten in den Regelbetrieb zu bringen. acatech unterstützt diesen Prozess durch wissenschaftsbasierte Beratung und bereitet die Ergebnisse für die politische Steuerungsebene auf. 

Internationale Impulse und integrierte Planung 

ReMIX betonte die globale Relevanz seiner Ansätze auf der IAA Mobility 2025 mit dem IAA Mobility Open Space Walk gemeinsam mit einer Delegation aus Harare (Simbabwe), Münchens langjähriger Partnerstadt. Der Austausch bestätigte: Zukunftsfähige Mobilität entsteht nicht allein durch neue Antriebstechnologien, sondern durch kluge Verknüpfung multimodaler Verkehrsformen mit einem leistungsfähigen öffentlichen Netz. 

2026 wird ReMIX die Zusammenarbeit mit Städten und Gemeinden ausbauen, um die Mobilitätstransformation durch gezielte Unterstützung vor Ort dauerhaft zu verankern. 

Innovationsplattform Bayern: Raumfahrtanwendungen für den Wirtschaftsstandort Bayern 

Die Innovationsplattform Bayern vereint Expertise aus verschiedenen Sektoren und Branchen, um das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie (StMWi) in innovationspolitischen Fragen zu beraten. Das Projekt läuft von Oktober 2024 bis Dezember 2028. Ziel ist es, wissenschaftliche Erkenntnisse schneller in die Wirtschaft zu übertragen und Bayerns technologische Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Die Plattform vernetzt Wirtschaft, Wissenschaft und Politik, fördert den Dialog und schafft Raum für neue Ideen. 

Fokus 2025: Raumfahrt und Raumfahrtanwendungen 

Jährlich wechselt der Fokus des Beratungsgremiums auf ein neues Technologiefeld. 2025 untersuchte die Plattform das Potenzial der Raumfahrt und Raumfahrtanwendungen. Mit über 8.000 Beschäftigten in rund 200 Unternehmen nimmt Bayern hier bereits eine europäische Spitzenposition ein. In vier Projektgruppen entwickelten Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Wirtschaft praxistaugliche Handlungsempfehlungen. Die Ergebnisse sind in vier themenspezifischen Dossiers gegliedert: „Transport, Automotive und Logistik“, „Klimaschutz, Energie und Landwirtschaft“, „Gesundheit, Sicherheit und Katastrophenschutz“ sowie „Finanzierung, Geschäftsmodelle und Rahmenbedingungen“.  

Bayern kann durch die gezielte Zusammenarbeit von Space- und Non-Space-Bereich bei der Entwicklung von Schlüsseltechnologien eine Vorreiterrolle einnehmen.

Claudia Eckert, acatech Präsidentin und Vorsitzende des Steuerkreises

Den Abschluss des ersten Themenzyklus bildete die Übergabe der Expertendossiers an den Bayerischen Staatsminister Hubert Aiwanger durch acatech Präsidentin Claudia Eckert und Initiator Jan Wörner im März 2026. Die Empfehlungen bieten der Staatsregierung eine fundierte Grundlage für künftige Entscheidungen. Claudia Eckert, acatech Präsidentin und Vorsitzende des Steuerkreises, betonte während der Veröffentlichung der Publikation: „Bayern kann durch die gezielte Zusammenarbeit von Space- und Non-Space-Bereich bei der Entwicklung von Schlüsseltechnologien eine Vorreiterrolle einnehmen.“

Staatsminister Hubert Aiwanger gibt den Start der Innovationsplattform Bayern auf der ersten konstituierenden Sitzung des Steuerkreises bekannt (v. l. n. r.): Rudolf F. Schwarz, Lea Frank, Dietmar Harhoff, Gerhard Kramer, Frank Jenko, Markus Schwaiger, Claudia Eckert, Rainer Seßner, Hubert Aiwanger, Jan Wörner, Veronika Grimm, Maik Böres, Rainer Birkenbach, Norbert Gaus, Holger Hanselka | © StMWi/Bastian Brummer